Lebensgefahr

Vergessen Sie die Regel "Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen". Dem Blitz ist der Baum egal. Er sucht sich von dort aus seinen Weg zum Erdboden. Die Rinde verbrennt oder der Baum kann geradezu bersten. Sollten Sie vermeintlichen Schutz unter einem Baum suchen, springt der Blitz über, auch wenn Sie keinen direkten Kontakt mit dem Baum haben.

Wie der Blitz auf den Menschen wirkt, hängt von vielen Faktoren ab. Häufig fließt der Strom an der Haut ab und verursacht dort Verbrennungen; dafür gibt es wenig innere Verletzungen und die Überlebenschance ist groß. Ist die Haut naß durch Schweiß oder Regen, sinkt ihr elektrischer Widerstand und der Strom geht durch das Körperinnere. Vergleichsweise harmlos sind da noch Muskelreaktionen, die einen Menschen regelrecht wegschleudern. Schlimmer ist Herzstillstand. Schäden im Nervensystem machen sich dagegen erst zeitverzögert bemerkbar.

Am meisten wird der Kopf getroffen - nicht verwunderlich, sammelt sich doch unter einem Gewitter auf dem Kopf die meiste positive Ladung. Ohren- und Augenschäden sind da vorprogrammiert.

Natürlich spielt auch noch die Stärke des Blitzes, seine Dauer und wiederholte Entladungen - das Flackern des Blitzes - eine Rolle.

Der Blitzeinschlag in einen Golfplatz zeigt, wo man am besten nicht gestanden hätte.

Am sichersten ist man im Freien immer noch im Auto aufgehoben, denn das wirkt wie ein Faradayscher Käfig (gilt natürlich nicht für ein Cabrio). Der Blitz wird über Karosserie und Reifen - die sind dann natürlich platt - abgeleitet. Im Asphalt gibt es Brennspuren, quarzhaltiger Sand wird zu Fulguriten gebrannt.

Der Faradaysche Schutzeffekt gilt auch für Flugzeuge. Hier versucht man im Labor, durch künstliche Blitze den Schutz zu optimieren. Damit will man unschöne Löcher in den Tragflächentanks vermeiden.

Dennoch zeigt der Blitz immer noch, wo es lang geht, z. B. beim Start eines Flugzeugs oder beim Shuttle-Start.